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Buch des Monats April

Das Friesische zur Dichtersprache erhoben

Gysbert Japix, Friesche Rymlerye, Leeuwarden 1681

Anders als in Ostfriesland, wo das Friesische seit dem späten Mittelalter nicht mehr gesprochen wurde, blieb diese Sprache in Westfriesland lebendig und fand noch bis 1580 in der Verwaltung und in Rechtstexten Verwendung. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts galt das Friesische aber auch hier nur noch als Umgangssprache. Deswegen war es etwas Besonderes, als der Renaissance-Schriftsteller Gysbert Japix (auch: Japiks oder Japics) 1640 unter dem Titel "Friesche Tjerne" eine Art von verspielter Hochzeitsrede in friesischen Reimen veröffentlichte. Gysbert Japixs (1603-1666), Sohn des Sargtischlers und Bürgermeisters Jakob Gysberts in der Stadt Bolsward in Westfriesland, war erst in Witmarsum und dann in seiner Heimatstadt Schulmeister und "Vorsänger". Japix' Dichtungen machten ihn schon zu Lebzeiten bekannt, er stand in Kontakt mit niederländischen und englischen Dichtern und Wissenschaftlern. Die Gesamtausgabe der Werke von Japix wurde aber erst 1668 - danach in weiteren Auflagen 1681 und 1684 - unter dem Titel "Friesche Rymlerye" von seinem jüngeren Freund, dem Historiker Simon Gabbema, herausgegeben. Dem Zeitgeschmack entsprechend hat Gabbema die Sammlung in drei Abschnitte aufgegliedert, die zugleich auch drei Lebensphasen des Dichters widerspiegeln: Im ersten finden sich volksnahe Verse, darunter auch die schon erwähnte "Friesche Tjerne". Der zweite didaktisch-philosophische Abschnitt enthält ernstere Dialoge und Lieder, der letzte religiöse Hymnen und ins Friesische übersetzte Psalmen. Mit diesem Gedichtband begründete sich der Ruf von Japix als herausragender friesischer Dichter. Er schreibt bildhaft und sehr musikalisch. Es gilt als sein wesentliches Verdienst, mit seinen Wer-ken dem Friesischen, das zur Bauersprache herabgesunken war, unter den europäischen Kultur-sprachen wieder einen Rang verschafft und zugleich mit seinen Veröffentlichungen die Grundlage für die heutige friesische Schriftsprache gegeben zu haben. In Anerkennung seiner Bedeutung verleiht das friesische Provinzparlament seit 1947 den Gysbert-Japix-Preis für friesische Literatur, und zum 400. Geburtstag wurde 2003 in Westfriesland ein Gysbert-Japix-Jahr ausgerufen. (Details ...)

  

Gysbert Japix, Portrait von Matthijs Harings (Quelle: Wikimedia Commons)
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